Thread Reader
💙💛 Regina Laska

💙💛 Regina Laska
@Sunnymica

May 15
1 tweets
Tweet

Mai 2023. 403 Drohnen in einem Monat. Damals dachten wir, das kann ja gar nicht schlimmer werden. Lasst uns alles tun, dass das aufhört. Drei Jahre später: Diese Woche im Mai 2026. In nur 24 Stunden regnet es 1.500 Drohnen auf die Ukraine plus Marschflugkörper. Ein einziger Tag übertrifft heute die Gewalt eines ganzen Monats von damals. Das ist der Faktor vier. Pro 24 Stunden. Beschleunigung statt Stillstand. Eskalation statt Eindämmung. Wenn wir auf die drei verstrichenen Jahre zurückblicken, wird eines klar: Wir haben uns dermaßen eins in die eigene Tasche gelogen. Wir haben 20 Sanktionspakete geschnürt, wir haben Milliardenkredite bewilligt, wir haben Tränen vor der UN-Vollversammlung vergossen und Karlspreise verliehen. Wir haben uns in Berlin, Brüssel und Washington gegenseitig für unsere moralische Standhaftigkeit auf die Schultern geklopft. Und während wir klopften, liefen in Russland die Fließbänder warm. Mit unserem Geld, das wir Putin auf Umwegen immer noch in den Hals stopften. Und vor allem: Mit unserer Technik. Die Toten im zusammengestürzten Wohnhaus in Kyjiw – das ging nur mit Chips aus München. Das ist die Wahrheit. Mindestens 21 Menschen sterben unter den Trümmern des Wohnhauses. Drei davon sind Kinder, die niemals erfahren durften, was ein Leben im Frieden bedeutet. Der Marschflugkörper, der ihr Leben zerfetzte, war kein verrostetes Relikt aus Sowjetzeiten. Er war fabrikneu. Baujahr: zweites Quartal 2026. Die bittere Wahrheit: Dieser Marschflugkörper ist ein europäisches Exportprodukt mit russischem Anstrich. In den Trümmern von Kyjiw und Charkiw findet die ukrainische Aufklärung nicht nur russischen Stahl. Sie findet Infineon-Chips aus München. Sie findet Hochleistungskomponenten von Analog Devices, Transistoren von STMicroelectronics und Treibstoffpumpen von Bosch. In einer Shahed-Drohne über Sumy denkt heute ein digitaler Jäger – ein KI-Computer von Nvidia. Er kostet 249 Dollar. Er braucht keine Zielkoordinaten mehr; er schaut durch seine Wärmebildkamera und entscheidet selbst, wo er tötet. Er trägt das Siegel „Made in USA“, geliefert über Briefkastenfirmen in Istanbul oder Dubai. Wenn wir Bosch oder Infineon fragen, hören wir das Echo der Verantwortungslosigkeit: „Was sollen wir machen? Wir haben ja keine direkten Geschäftsbeziehungen mit Russland“, heißt es da. „Für uns ist der Verkauf schwierig zu kontrollieren.“ Wir haben ein System geschaffen, in dem eine Bank jeden Cent eines Kleinsparers prüfen muss, aber ein Chiphersteller seine tödliche Fracht einfach an den erstbesten Zwischenhändler in Kasachstan abgeben darf, ohne Fragen zu stellen. Die Verantwortung endet an der Grenze der Bequemlichkeit. Wie irrsinnig kann man sein. Der Westen: Hold my beer. Aus dem einen Portemonnaie zahlen wir Milliarden für die Ukraine-Unterstützung. Aus dem anderen Portemonnaie liefern wir die Bauteile, damit Russlands Todesschwadronen überhaupt fliegen können. Wir finanzieren den Schild und schärfen gleichzeitig das Schwert, mit dem er durchbohrt wird. Das eine Ministerium in Berlin bewilligt die Hilfe, das andere Ministerium schaut beim Export weg. Beide sitzen in derselben Stadt. Beide wissen, was passiert. Und während wir es immer noch nicht schaffen, in unseren Fabriken schnell und ausreichend Material herzustellen, schafft es das wirtschaftlich in die Knie gezwungene Russland, seine Produktion zu vervierfachen. Die Fabrikhallen in Tatarstan spucken dank westlicher Halbleiter im Akkord mörderische Präzision aus. Und wir halten die einzige Waffe zurück, die diesen Kreislauf am Ursprung unterbrechen könnte, um die Produktion zu stoppen. Denn der Taurus verstaubt weiter im deutschen Keller. 480 Kilo Sprengstoff, der den Beton der Todesfabriken in Staub verwandeln könnte. Eine Waffe, die keine Häuser in Moskau treffen würde, sondern gezielt dort, wo unser eigener Untergang munter weiter montiert wird. Unsere Politiker schweigen dazu inzwischen vollständig. Es gibt ja den Flamingo. Ja, gut. Aber der ist weder so präzise, noch hat er die gleiche Sprengkraft. Wir lavieren lieber weiter. Wir fürchten die Eskalation, während wir sie jede Nacht durch unsere Lieferketten selbst befeuern. Wäre die Ukraine nicht so erfinderisch, sie wäre ohnehin längst von Russland zermalmt worden. So bastelt sie weiter an ihrer weltweit führenden Drohnentechnologie. Ein Land im Krieg. Ein Land unter Beschuss. Doch das wirklich große Besteck, das vieles verbessern könnte, wird verwehrt. Aus Angst. Wie lange wollen wir dieses Doppelspiel noch spielen? Vorne die Solidaritätsrede, hinten die Halbleiter-Lieferung. Vorne der Karlspreis, hinten die Bosch-Pumpe mit Herkunfts-Nummer, eingebaut in eine Drohne, die gerade jetzt über der Ukraine kreist. Es ist nicht so, dass wir nichts tun. Wir tun zwei Dinge gleichzeitig, die sich gegenseitig aufheben. Wir löschen das Feuer mit der einen Hand und gießen mit der anderen Benzin hinein. Putin baut die Waffen. Wir liefern die Teile dafür und heulen Krokodilstränen über die Toten. Das ist nicht russischer Wahnsinn. Das ist unserer.

Olena Halushka

Olena Halushka
@OlenaHalushka

Escalation has been managed so well that yesterday alone, russia launched nearly 4x more drones at Ukraine than during the entire month of May 2023: 1,567 vs 403. Think about where this trajectory leads.
💙💛 Regina Laska

💙💛 Regina Laska

@Sunnymica
Veröffentlicht u.a. bei FOCUS+ No Welcome DM, PLEASE 🙏
Follow on 𝕏
Missing some tweets in this thread? Or failed to load images or videos? You can try to .