Gerade weil wir aktuell täglich Bilder aus Russland sehen, brennende Energieanlagen, endlose Schlangen vor leeren Tankstellen, wächst bei manchen in Deutschland die Angst: Könnte Putin doch zur Atombombe greifen?
Warum das eher nicht passieren wird, hat der ehemalige ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hier plausibel erklärt. Er nennt im Wesentlichen drei Hauptgründe, dazu eine gefährliche Ausnahme.

Die Ukraine würde selbst nach einem Atomschlag nicht kapitulieren. Putin hätte damit sein letztes Pulver verschossen und müsste mit massiven, weltweiten Konsequenzen leben, während er am Ende doch nicht gewonnen hätte. Die Rakete fiele zwar auf die Ukraine, die Wirkung träfe aber Russland massiv.

China hat kein Interesse an nuklearem Chaos. Der erste Kriegseinsatz einer Atomwaffe seit 1945 würde ein Tabu brechen, das dann für alle gilt: Israel könnte den Iran nuklear angreifen, Pakistan Indien. Peking behauptet zwar gern, keinen Einfluss auf Moskau zu haben, hat ihn laut Kuleba aber sehr wohl, und würde ihn nutzen, um Putin vorher zu stoppen.

Auch Donald Trump, obwohl er Putin näher steht als der Ukraine, könnte einen Atomschlag nicht unbeantwortet lassen. Ein Russland, das sich derart mächtig gegenüber Europa zeigt, würde damit auch die Vormachtstellung der USA infrage stellen.
Deshalb würden die Amerikaner alles daransetzen, ein solches Szenario bereits im Vorfeld zu verhindern.

Die einzige Ausnahme wäre ein Akt des Wahnsinns aufseiten Putins. Dieser Fall könnte laut Kuleba eintreten, sollte Putin es nicht ertragen, dass die Ukraine kurz vor einem vollständigen Sieg steht. Bezeichnend dabei: Selbst dann ginge es ihm nicht um die Vernichtung der Ukraine als strategisches Ziel, sondern allein um die Rettung der eigenen Macht. Ein Mann, der lieber die Welt in Brand setzt, als seinen eigenen Untergang zu akzeptieren.